Nur für Kinder

 


Stellt euch mal vor, ihr habt ein Buch geschrieben – und dann könnt ihr es selbst gar nicht lesen. – Komisch, oder?

Mir ist das passiert. Ein Buch, das ich geschrieben habe, sieht jetzt nämlich so aus:




Ich habe das Buch aus dem Briefkasten geholt, es gedreht und gewendet, aufgeschlagen, drin geblättert ... Und das Einzige, das ich lesen konnte, war „Hanna Schott“. Mein Name ist nämlich in unseren Buchstaben geschrieben, aber nicht auf dem Umschlag, sondern nur innen drin.

Ganz vorne im Buch kam mir dann noch etwas bekannt vor: Da sind nämlich ein kleiner Wassermann und ein kleines Gespenst zu sehen. Aber dann stellte ich fest: Vorne ist gar nicht vorne, sondern hinten. Das Buch ist nämlich aus Japan, und japanische Bücher liest man von hinten nach vorne. (Man blättert also die gelesene Seite immer nach rechts um.)


 

Na, Liebelein? Wigger e bessje spät dran?

Minsch, Liebelein, träck dir doch Handschuh aan, du hass ja eiskalte Fingerkes!

Hörremal, du hass ja emmer noch kein Handschuh aan!

Sach mal dinge Mamm, daddet och he in Kölle janz schön kalt werde kann.

Willze jetz wat kaufe oder nit? Wenn nit, komm ich nämlisch mal eraus und rauch mir eine.

Wigger kein Handschuh ande Händschen? Leevje, Leevje, Leevje …

Tschö, min Ströppsche!

Liebelein, such dir wat uss. Ich hatt zwar nit sechs Rischitje, aber escht mal selbs im Lotto jewonne. Glaubset nit? Zwanzisch Euro, eigentlich spiel ich ja jarnit.

Brauchste nit, sons is et gleich fott.

Wenn et so wigger jeet, künne de Jecke an Fastellovend Eisbäll anstatt Kamelle werfe. Weisse schon als wat du jees?

Jott ävver mit nem janz dicken Fell. Wat hättse denn jern?

Na dann tschö. Maachet joot.

Wisst ihr was?

Ich hätte mich neulich, kurz bevor „Mia von nebenan“  in den Druck ging, doch beinahe mit meiner Verlegerin angelegt. Mia wohnt ja in Köln, und vielleicht wisst ihr, dass die Kölner, ich meine die echten, quasi die Ureinwohner von Köln, nicht immer das allerreinste Hochdeutsch sprechen. Ich hatte deshalb eine Freundin, die in Köln lebt, gebeten, alles, was die Büdchenfrau (die Frau am Kiosk) in diesem Buch sagt, in echtes Kölsch zu übersetzen. Was sie mit Vergnügen gemacht hat. Das hörte sich echt klasse an, fand ich. Aber dann sagte die Verlagschefin: „Das versteht doch kein Mensch! So kann das im Buch nicht bleiben. Die Büdchenfrau muss Hochdeutsch reden.“ Was heißt: kein Mensch? Versteht ihr es? Fürs Buch habe ich alles wieder rausgenommen, aber auf dieser Seite könnt ihr die Originalsätze lesen. Ich bin gespannt, ob ihr sie versteht!

Und am Ende steht, genau wie bei uns, die Werbung für andere Bücher. Den kleinen Wassermann und das kleine Gespenst gibt es also auch auf Japanisch, offenbar im selben Verlag wie mein ... ja, was?

An den Zeichnungen habe ich dann erkannt: Das Buch ist mein „Tuso“. Die Bilder sehen zwar anders aus als im deutschen Buch, aber ich habe Tuso natürlich doch wiedererkannt. Aber der Text ... Sieht der nicht aus wie ein ganz langes Gedicht?

Ich finde, das sieht wunderschön aus, auch wenn ich kein Wort lesen kann. Freunde haben mir erklärt, dass man den Text von oben nach unten liest. Ganz unten gibt es dann noch etwas Bekanntes: Die Seitenzahlen sind doch „unsere“!


Seltsam ...

„Tuso“ ist in Japan jetzt Schullektüre, das heißt: Ganz viele Schulklassen lesen Tusos Geschichte. Aber wisst ihr, wann? Nicht in der Schule, sondern in den Sommerferien! Japanische Schulkinder bekommen nämlich auch für die Ferien Hausaufgaben auf. Wie ihr das wohl fändet ...?

Auf jeden Fall lesen jetzt also Kinder in Japan die Geschichte eines kleinen Jungen aus Tansania, aufgeschrieben von einer Frau aus Deutschland. Eine Geschichte reist über drei Kontinente. Wenn jemand von euch das, was ich hier schreibe, gerade in Amerika oder Australien liest, kann er mir ja mal eine Mail schicken ...